Patientenerfahrungen als Goldmine für eine exzellente Gesundheitsversorgung

Gastkommentar der Medizinethikerin Prof. Nikola Biller-Andorno

Patientenorientierung ist eine zentrale Dimension der medizinischen Versorgungsqualität - darüber besteht heutzutage weitgehend Konsens. Viele Gesundheitseinrichtungen schreiben sich entsprechende Leitsätze auf die Fahnen, ohne diese allerdings konkret umzusetzen.

Wie können wir jenseits von zweifellos gutgemeinten Absichtserklärungen die vielfältigen Erfahrungen, die Patientinnen und Patienten tagtäglich sammeln, bestmöglich nutzen, so dass unser Gesundheitswesen die Rückmeldungen erhält, auf die es als lernendes System angewiesen ist? Patientenzufriedenheitsmessungen sind ein wertvoller Ansatz, reichen aber nicht aus, da sie oft auf wenige Parameter beschränkt sind.

Mit der Database of Individual Patient Experiences (DIPEx) entsteht aktuell in der Schweiz eine Goldmine an qualitativen Erfahrungsberichten. Die Erzählungen von Patienten mit verschiedenen Erkrankungen werden nach wissenschaftlichen Standards erhoben, analysiert und – mit Einwilligung der betreffenden Personen – auf der Website www.dipex.ch ausschnittweise als Video, Audio oder Text publiziert.

«Endlich fragt mal jemand», ist eine häufige Reaktion der Interviewpartner. Der partizipative Ansatz verleiht nicht nur Patienten eine öffentlich wahrnehmbare Stimme, sondern bietet perspektivisch auch die Möglichkeit zur Verknüpfung mit quantitativen Daten und KI-basierten Analysen. DIPEx.ch bietet zudem einen reichhaltigen Fundus z.B. für die Entwicklung von Lehrmaterialien oder klinischen Entscheidungshilfen. Die Idee überzeugt: Ein Förderverein befindet sich in Gründung, die DIPEx-Eröffnungsveranstaltung wird im Frühjahr 2021 am Collegium Helveticum in Zürich stattfinden.


Gastkommentatorin
Nikola Biller-Andorno
Prof. Dr. med. Dr. phil
Direktorin des Instituts für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte
Universität Zürich
Kontakt: biller-andorno@ibme.uzh.ch  

Bildlegende

Foto: zVg

Scroll to top icons