Zentrale Versorgungssicherheit in der Krise

Heiner Sandmeier, stellvertretender Geschäftsführer Interpharma, über die Versorgungssicherheit in der Krise.

Die Aufrechterhaltung der Produktion und der globalen Lieferketten in der Industrie ist in der Pandemie zentral. Die Zulieferung von Rohstoffen, Vorpräparaten und Halbfertigprodukten muss sichergestellt bleiben. Der Bund verpflichtet die Kantone seit kurzem, ihre aktuellen Bestände an medizinischem Material, unter anderem auch gewisser Arzneimittel, zu melden. So sollen Versorgungsengpässe frühzeitig erkannt und behoben werden. Sorgen bereiten die irrationalen Hamsterkäufe und Abschottungsversuche einzelner Länder. Die Firmen halten verschiedene Versorgungskanäle offen, um möglichst flexibel reagieren zu können.

Im Fall der neuen Testverfahren von Roche zeigt sich dies exemplarisch. Die Instrumente kommen aus der Schweiz, die Tests aus den USA und die Verbrauchsmaterialien aus Deutschland. Alle drei Komponenten sind für die Tests notwendig. Schliesst ein Land seine Grenzen, sind die Testkapazitäten gefährdet. Bereits wird gefordert, den gesamten Wertschöpfungsprozess in die Schweiz zurückzuverlagern. Das ist unrealistisch in einem globalisierten Wirtschaftssystem. Wir werden nicht alle wichtigen Medikamente autark produzieren können. Mit Pharma-Exporten von 88,2 Mrd. Franken (2018) und einem Umsatz unserer Mitglieder hierzulande von 3.8 Mrd. würde die Schweiz auch zu den grössten Verliererinnen einer solchen Politik gehören. Dass wir aber weiter mehr Resilienz einbauen und nach der Krise eine Neubeurteilung der Lieferketten unter dem Gesichtspunkt der Versorgungssicherheit vornehmen, ist wichtig und richtig.

Die Diversifizierung der Versorgung mit Rohstoffen, Vorpräparaten und Halbfertigprodukten gilt es weiter zu stärken. Auch in Zukunft werden wir weiterhin auf offene Grenzen für Waren und Mitarbeitende angewiesen sein.

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