Der VEDAG als Wegbereiter für die moderne FMH

Standespolitische Strukturen der Ärzteschaft wuchsen in der Schweiz von unten. Der Verband Deutschschweizer Ärztegesellschaften (VEDAG) spielte bei diesem Aufbau eine Schlüsselrolle. Er ebnete den Weg für eine nationale Dachorganisation – ohne die kantonale Verankerung aufzugeben.

Die Organisation der Schweizer Ärzteschaft begann in den Kantonen: Ende des 18. Jahrhunderts bildeten sich erste kantonale Ärztegesellschaften. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es sie in allen Kantonen. Sie ermöglichten den fachlichen Austausch und gaben der Ärzteschaft eine kollektive Stimme.

Weil der Bund in der Gesundheitspolitik an Gewicht gewann, musste sich auch die Ärzteschaft überregional organisieren. So entstanden in allen Sprachregionen überregionale Verbünde. 1870 wurde in der Deutschschweiz der Centralverein – Vorgänger des heutigen VEDAG – gegründet. In der Westschweiz entstand die Société Médicale de la Suisse Romande SMSR, im Tessin die Società Medica della Svizzera Italiana SMSI, die 1926 zum Ordine dei Medici del Cantone Ticino OMCT wurde.

Die Gesellschaften der drei Sprachregionen arbeiteten auch zusammen. Die Ärztegesellschaft Neuenburgs hatte eine Sonderrolle. Sie agierte als Brückenbauerin, indem sie sowohl im Centralverein als auch in der SMSR dabei war.

Erste nationale Organisation

1901 erfolgte der nächste Schritt: Der Centralverein, die SMSR und die SMSI gründeten eine schweizweite Ärztekammer – Vorläuferin der heutigen FMH. Somit waren der Centralverein und die SMSR Wegbereiter für eine nationale Organisation der Ärzteschaft. Trotzdem blieb die Verankerung in den Kantonen und Sprachregionen wichtig. 1931 erhielt der VEDAG schliesslich seinen heutigen Namen.

2016 straffte der VEDAG seine Strukturen. Er konzentriert sich auf die Vertretung der kantonalen Gesellschaften in der Delegiertenversammlung und in der Ärztekammer der FMH. Im Jahr 2020 wurde wieder ein Vorstand eingeführt, der alle Regionen der Deutschschweiz vertritt. Der Vorstand wird von einem Co-Präsidium geleitet.

Die Stimme der Ärztinnen und Ärzte der Deutschschweiz

Der VEDAG spielt heute eine wichtige Rolle. Er bündelt die Anliegen der Deutschschweizer Kantonal­ gesellschaften und bringt diese in den nationalen Prozess ein. Seit 20 Jahren gibt er zudem die Zeitschrift «Politik+Patient» heraus. Diese richtet sich unter anderem an Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Die Zusammenarbeit und der überregionale Austausch der Ärzteschaft sind wichtiger denn je. In den Treffen mit den Dachverbänden der anderen Sprachregionen (in Glion 2023 und Vitznau 2025) wurden Standpunkte diskutiert und konsolidiert. Gemeinsam konnten so Erfolge in nationalen Abstimmungen erreicht werden (Kostenbremse-Initiative und einheitliche Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen). In Zeiten, die geprägt sind von politischen Veränderungen und schwierigen Rahmenbedingungen, engagiert sich der VEDAG auch weiterhin für eine ärztliche Stimme, die kantonal verankert ist und national gehört wird.

Dieser Artikel erschien erstmals in der Zeitschrift Doc #17, Magazin der Société vaudoise de médecine.

Bildlegende

Die Zusammenarbeit und der überregionale Austausch der Ärzteschaft sind wichtiger denn je. Vor diesem Hintergrund trafen sich im vergangenen September die drei Dachverbände VEDAG, SMSR und OMCT gemeinsam mit Vertretungen der kantonalen Ärztegesellschaften sowie der FMH und des VSAO zu einer Retraite am Vierwaldstätter­ see.

Bild: zVg

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